AsienIndonesien

Vulkan-Marathon auf Java

Nachdem wir in Yogyakarta einen guten Start in Indonesien hingelegt hatten, waren wir bereit weiter zu ziehen um auf ein paar aktive Vulkane zu steigen. Warum auch nicht….

Vulkan Bromo

Nach 5 Stunden Zugfahrt kamen wir in Probolinggo an – einem Ort über den wir im Vorfeld nur das Schlechteste gehört hatten. Und so wurden wir auch empfangen: sobald wir den Bahnhof verlassen hatten, wurden wir von Männern belagert die uns für den nächsten Tag eine Fahrt zum Vulkan verkaufen wollten. Mit einem „Nein“ waren sie nicht zufrieden zu stellen aber wir liefen einfach stur weiter und konnten sie zum Glück abwimmeln.

Wir wollten versuchen am nächsten Tag zu einem Dorf zu gelangen, dass dem Vulkan am nächsten liegt um von dort auf eigene Faust den Vulkan zu erreichen. Unsere nächste Hürde in Probolinggo war aber erstmal der Versuch zum Hostel zu gelangen: wir hatten über eine App ein Taxi gerufen, aber der Taxifahrer gab uns per SMS zu verstehen dass er nicht in die Nähe des Busbahnhofs kommen könnte. Es sei zu gefährlich für ihn uns dort abzuholen. Moment mal! Was ist denn hier los?! Wir stornierten die Fahrt und liefen statt dessen den Weg zu unserer Unterkunft.

Dort angekommen erzählten wir was uns mit dem Taxifahrer passiert war und der Besitzer des Hostels bestätigte uns, dass Anbieter wie Uber oder Grab (Taxiunternehmen die man übers Handy rufen kann und im Vorfeld schon einen Preis für die Strecke mitgeteilt bekommt) nicht gerne gesehen wären und es sogar schon Tote deswegen gegeben hatte. Die „normalen“ Taxifahrer fühlen sich durch die Apps bedroht, denn diese erschweren ihnen ihrem normalen Job nach zu gehen. Dafür geht man hier scheinbar sogar über Leichen…

Nachdem wir den ersten Schock verdaut hatten unterhielten wir uns mit ein paar Leuten in der Unterkunft und schnell stellt sich heraus, dass sich schon eine größere Gruppe zusammen gefunden hatte, die am nächsten Morgen zusammen zum Vulkan fahren wollte. Das noch 2 Plätze in den Autos frei waren, war für uns ein Wink des Schicksals und wir schlossen uns der Gruppe an. Wir hatten wenig Lust am nächsten Tag wieder mit der Horde Fahrer kämpfen zu müssen, die um unsere Aufmerksamkeit und unser Geld für eine Fahrt zum Bromo buhlen würden.

Um zwei Uhr war die Nacht dann auch schon vorbei und wir machen uns auf den Weg. Nach ca. 1 1/2 Stunden Fahrt trennte uns nur noch ein ca. einstündiger Fussweg von unserem Ziel.

Ja das erste Licht am Morgen hat schon was magisches, aber wir sind uns einig dass wir zum letzen Mal für einen Sonnenaufgang aufgestanden sind. Die Sonnenaufgänge die man zufällig miterlebt sind um einiges schöner und außerdem schlafen wir zu gerne aus…

Während die Sonne sich auf ihren Weg machte, taten wir es ihr gleich: Auf dem Kraterrand angekommen hatten wir die Möglichkeit in das brodelnde Innere des Vulkans zu sehen und das ist viel größer als wir es uns vorgestellt hatten!

Weil nach und nach immer mehr Leute den Weg auf sich nehmen um einen Blick in den Krater zu werfen, machten wir uns schon bald auf den Rückweg. Wir wollten versuchen am selben Tag noch einen Zug zu unserem nächsten Vulkan-Stopp zu erwischen.

Vulkan Ijen – Neue Nacht, neuer Vulkan!

Diesmal gehen wir die Sache allerdings etwas anders an: Auch hier hätten wir die Möglichkeit gehabt uns mit anderen Leuten zusammen zu tun und einen Fahrer für die Nacht zu organisieren. Doch die Möglichkeit selbst hin- und zurückfahren zu können gefällt uns deutlich besser.

Ja gestern waren wir noch der Meinung das es unser letzter „erzwungener“ Sonnenaufgang wird. Wird es auch, denn heute stehen wir nicht mitten in der Nacht auf um die ersten Sonnenstrahlen auf einem Vulkan zu sehen, sondern wir wollen die „blauen Flammen“ im Inneren des Vulkans sehen! Und dazu klettern wir sogar noch früher aus dem Bett: Mitternacht und der Wecker klingelt! Ich fühle mich wie ein Kind, dass für Silvester vorschlafen musste…

Die zweite kurze Nacht und doch kommen wir erstaunlich schnell in die Gänge: warm anziehen und ab auf Moped. Uns stehen 40km und einige Höhenmeter bevor, doch die sind wesentlich schneller und leichter überwunden als anfangs befürchtet. Die Straßen sind leer und der Belag viel besser als erwartet. Allerdings wurde es unterwegs echt kalt! Also machen wir uns gleich nachdem wir angekommen sind im Schein unserer Taschenlampen auf den Weg zum Vulkan, schließlich wollen wir das „Blaue Feuer“ sehen das im Krater brennt.

Hierbei handelt es sich um Gase die sich beim Kontakt mit Sauerstoff entzünden und nur nachts gut zu sehen sind – und nicht wie oft angenommen wird um Lava.

Oben am Kraterrand angekommen können wir leider gar nichts sehen und beschließen nach einer kurzen Frühstückspause gleich in den Krater hinein zu steigen. Über Steine und Felsen geht es in der Dunkelheit immer weiter nach unten. Einige Leute kommen uns auf dem Weg entgegen – nicht nur Touristen sondern auch viele Männer die hier mit bloßen Händen Schwefel am „größten Säurefass der Welt“ abbauen.

Körbe voller Schwefel

Unten angekommen unterhalten wir uns mit einem der Arbeiter. Er erklärt uns, dass man sich diesen Job nicht aussucht sondern sozusagen hinein geboren wird. Ist der Vater ein Schwefelarbeiter, dann wird man selbst auch einer werden. Wir haben den ganzen Weg nach unten unsere Gasmasken an und haben trotzdem tränende Augen und starken Hustenreiz – wir können uns nicht vorstellen wie es sein muss hier jeden Tag stundenlang zu arbeiten. Vor allem zu welchem Preis…für einen gut gefüllten Korb gibt es nur ein paar Cent; Schutzmasken oder Handschuhe- Fehlanzeige!

Von ihm erfahren wir auch, dass es heute kein „blaues Feuer“ für uns geben wird: der Wind steht schlecht und so werden wir nicht mehr als die giftigen Schwefeldämpfe abbekommen.

Auf dem steilen Weg zurück zum Kraterrand ist an eine Unterhaltung nicht zu denken – trotz Gasmasken machen uns die Dämpfe schwer zu schaffen und wir wollen schnellstmöglich wieder hier raus! Immer wieder hüllt uns der schwefelige Dampf komplett ein und zwingt uns zum stehen bleiben. Kurz kommt Panik auf, denn wir können den Weg nicht mehr sehen und wissen nie wie lange wir jetzt in der giftigen Wolke feststecken….

Mit dem ersten Sonnenlicht kommen wir wieder oben an: Erleichtert! Endlich können wir die Gasmasken abnehmen und tief einatmen.

Dann warten wir nur noch auf den Moment in dem der Wind dreht und wir den Kratersee endlich unter uns sehen können: das „größte Säurefass der Welt“ leuchtet uns türkisblau entgegen.

Am nächsten Tag erfuhren wir, dass der Vulkan einen Tag nach unserem Besuch dort vorübergehend geschlossen wurde: es gab eine Gasexplosion bei der 30 Leute von den Dämpfen einer Gaswolke vergiftet wurden und behandelt werden mussten. Dann waren die Dämpfe die wir dort abbekamen wohl nur die Vorboten davon.

Abgesehen von den Fotos haben wir noch eine bleibende Erinnerung an unseren Besuch dort: der schwefelige Geruch geht auch nach dem dritten Mal waschen nicht aus den Klamotten raus….

 

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