On the road again – Endlich sind wir wieder unterwegs

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Nach fast einem Jahr in Neuseeland war der Tag gekommen: wieder arbeitslos und obdachlos! Und das auch noch freiwillig 😉

Seit 4 Wochen wohnen wir jetzt in dem Van den wir uns im letzten halben Jahr etwas hergerichtet haben und zu unser beidem Erstaunen müssen wir feststellen dass das gar nicht sooo schlecht läuft: Wir haben zwar nicht viel Platz, aber wir haben ja auch nicht viel Kram für den wir den ganzen Platz benötigen.

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Mein Haus, Mein Auto, Mein Boot 😀

Kurz vor Ostern ging unsere Tour über die Nordinsel los und bisher hatten wir nur in den ersten Tagen Pech mit dem Wetter: 4 Tage die wir die meiste Zeit im Auto verbringen mussten. Aber danach wurden wir mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein belohnt. Und das Wetter wurde natürlich sofort zum wandern ausgenutzt.

Schon seit unserer Ankunft in Neuseeland haben wir uns vorgenommen die Eintages-Wanderung zu machen:

Das Tongariro Crossing

Was soll ich sagen, über DIE angeblich schönste und anstrengendste eintägige Tour die man hier machen kann!? Die Wanderung die bisher jeder als DAS Highlight seiner Neuseelandreise beschrieben hat? Die Wanderung auf der man über Vulkangestein bis auf den Vulkan selbst (auf den Schicksalsberg (für Herr der Ringe Fans sicher ein Begriff)) spazieren kann!?

Nach unseren ersten Tagen im Van, in denen wir ja mehr oder weniger Wetter bedingt fest saßen, freuten wir uns umso mehr auf die knapp 20km lange Tour.

Der erste Abschnitt geht gemütlich los: flache, angelegt Wege führen uns vom Parkplatz weg und die Sonne geht langsam auf. So kann das also nur ein guter Tag werden.

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Dann stehen wir plötzlich vor einem Schild das uns warnt weiter zu gehen, wenn wir nicht richtig ausgerüstet sind, uns dem Aufstieg nicht gewachsen fühlen oder das Wetter nicht ideal ausschaut. Die Sonne lacht und wir sind motiviert: also lassen wir erstmal mehrere Höhenmeter der „Teufels Treppe“ hinter uns (ein Abschnitt vor dem wir vorher „gewarnt“ wurden). Oben angekommen sind wir froh das wir das erste Hindernis so schmerzlos überwunden haben. Es war wirklich nicht so schlimm wie befürchtet und da wir die letzten Tage ja etwas Bewegungsmangel hatten nehmen wir gleich im Anschluss Angriff auf Mt. Doom, besser bekannt als Schicksalsberg oder Mt. Ngauruhoe (schlappe 2287m hoch).

Hier waren alle Warnungen im Vorfeld berechtigt! Die erste halbe Stunde ist erträglich und man kann so etwas wie einen Weg erkennen dem man folgt. Danach beginnt der Kampf; da es sich um einen Vulkan handelt, macht man auf dem Untergrund einen Schritt vor und rutscht gleich nochmal geschmeidige 3 Schritte zurück. Im Anschluss dazu wird der Untergrund erst immer feiner und sandiger und gegen Ende muss man über große Lavabrocken klettern und sich seinen Weg zum Gipfel kämpfen. Im Krater angekommen wird man dafür aber mit einem tollen Ausblick entlohnt! Sogar den 140km entfernten Mt. Taranaki konnten wir dankt der wunderbaren Sicht entdecken! Ungefähr eineinhalb Stunden hat uns dieser Aufstieg gekostet, dafür geht es runter ganz schnell: einfach laufen/rutschen – runter kommt man schließlich immer.

Unten angekommen können wir uns wieder dem offiziellen Weg widmen: vorbei am Red Crater der uns mit seinen farbenfrohen Pigmenten entgegen blinzelt und weiter zu den Emerald Lakes die in wunderschönen Grün- und Blautönen leuchten.

Die Landschaft von Mordor lassen wir danach schon bald hinter uns und trotten die letzten 10km durch grasige Landschaft vor uns hin. Jetzt geht es nur noch darum ans Auto zu kommen und die Karawane, die sich leider auf dem schmalen Pfad schnell bildet, hinter uns zu lassen.

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Rückblickend würden wir die Wanderung nach den Emerald Lakes „abbrechen“ und umkehren, da uns die letzten 10km in der Menschenmenge zu laufen echt mürbe gemacht hat.

Über den Forgotten World Highway nach New Plymouth

Von der Mitte der Nordinsel machten wir uns anschließend auf den Weg Richtung Westen. Über Bergpässe, Hügel und sogar durch eine Hobbit Höhle (den einspurigen Moki Tunnel) führt der 150 km lange Forgotten World Highway (eine der abgeschiedensten Straßen Neuseelands) von Taumaruni nach Stratford. Hier kann es schon mal passieren das einem kilometerlang kein Auto entgegen kommt, man bekommt zwischendurch kein Benzin und fährt 40km über ungeteerte Straße. Bisher war wirklich nirgendwo so wenig los und die Landschaft erinnerte uns ständig an den kleinen Hobbit oder Herr der Ringe.

Gipfelbesteigung des Mt. Taranaki

Irgendwie hatten wir nach dem Tongariro Crossing Lust auf eine etwas ruhigere Tour (sprich: wir wollen den Weg mit weniger Touris teilen) die allerdings etwas anspruchsvoller sein sollte. Dabei haben wir den 2.518 m hohen, wunderschönen und perfekt geformter Vulkan im Westen der Nordinsel ins Auge gefasst. Die Wanderung gilt als nicht ganz einfach, da sich das Wetter am Gipfel schlagartig ändern kann und man in dem Fall nicht leichtfertig weiter gehen sollte.

Als wir einen Tag zuvor in New Plymouth, ca. 15km vom Taranaki entfernt, ankamen versteckte sich der Gipfel noch hinter Wolken.

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Doch da die Vorhersage für den nächsten Tag gut aussah stand unser Plan. Nach einer frostigen Nacht am Fuss des Vulkans schälten wir uns noch im Halbdunkel mühselig aus dem Auto. So richtig bereit fühlten wir uns wohl beide nicht für die anstehenden 1600 Höhenmeter als wir verschlafen losschluften. Aber nach wenigen Höhenmetern steht auch die Sonne auf und wir werden langsam munter.

Munter muss man für diese Wanderung 100 prozentig sein! Denn uns erwarten hier wieder einige Treppen – auch hier ist das wieder das kleinste Übel. Denn nach den Treppenstufen geht es erst richtig los: Nach einem wirklich Weg sucht man in dem Vulkangeröll vergeblich und so nutzen wir sowohl die Wegmarkierungen als auch die Fußspuren, die Leute vor uns hinterlassen haben, um unseren Weg nach oben zu „vereinfachen“.

Der Weg zum Gipfel ist sehr steil und dank Vulkangeröll (eine Mischung aus Sand und Steinen unterschiedlicher Größe) heißt ein Schritt nach vorne auch wieder 2 Schritte zurück….ein wirklich Kräfte zehrender Aufstieg! Auf knapp 2100m nimmt der ganze Spaß neue Form an: ab sofort muss geklettert werden oder man muss sich zumindest auf allen Vieren das restliche Stück bis zum Gipfel hinauf arbeiten und die Hände zur Stütze nehmen.

Nach 3 Stunden ist der Spuk vorbei und leicht zittrig erreichen wir den Gipfel. Vor uns liegt ein riesiges Eisfeld, denn auch wenn auf dem Berg selbst zur Zeit kein Schnee liegt, ist es hier oben kalt genug um den Schnee und das Eis zu konservieren. Die Aussicht ist grandios: Wolkenloser Himmel und fantastische Sicht bis zum Tongariro Crossing; dem verschneiten Mt. Ruapehu; auf alle umliegenden Wälder,Felder und sogar bis zum Meer kann man sehen.

Der Abstieg ist zwar etwas beschwerlich (während der Kletterpartie), doch runter geht´s natürlich immer schneller.

Diese Wanderung hat sich definitiv gelohnt: fantastische Aussicht, wenig Andrang und nette Menschen auf dem Weg. Definitiv eine Empfehlung an alle die Neuseeland ins Auge fassen. 😉

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