Torres del Paine

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Chile

Bei unserer „Reise ohne Plan“ gab es immer diesen einen Plan: Wir wollen zum Nationalpark Torres del Paine! Und ehrlich gesagt war das auch (anfangs zumindest) DER Grund warum unsere Reise uns überhaupt nach Südamerika geführt hat. Kein Scherz! Wir haben Fotos von Torres del Paine gesehen und wussten: Da wollen wir hin! Egal wie. Egal wann. Aber am liebsten so schnell wie möglich! Die Reise wurde immer konkreter, Patagonien rückte näher und da sind wir nun!
Ziemlich genau 8 Monate nach Beginn der Reise haben wir es geschafft!

Torres del Paine – 8 Tage, 125km

Tag 1: Paine Grande – Italiano

6:30 Uhr – der Wecker klingelt….Endlich geht es los! Zwar hört man schon den Regen der ans Fenster klopft, aber das ist uns heute egal! Wir haben uns für die nächsten 8 Tage vorgenommen das Wetter so zu nehmen wie es kommt. Wir können es eh nicht ändern und da man in Patagonien alle 4 Jahreszeiten an einem Tag abbekommen kann, werden wir Wind, Sonne, Regen und eventuell Schnee einfach genießen!
Der Bus zum Park fährt gegen 8 Uhr am Terminal los und braucht ca. 3 Stunden bis wir am Katamaran ankommen. Wir haben uns vorgenommen mit dem Boot hin und zurück zum Park zu fahren und von dort schon mal die Berge zu bestaunen. Der Wind bringt unsere Nussschale ganz schön zum schaukeln, aber als wir unsere Füße endlich in den Park setzen, lässt die Sonne sich kurz blicken.
Für den ersten Tag haben wir uns nicht viel vorgenommen, denn durch die Busfahrt, die Registrierung am Parkeingang und die Bootsfahrt sind es inzwischen schon 13 Uhr bis wir los laufen.
Wir haben uns dazu entschlossen, erst den beliebtesten (und somit auch vollsten) Weg zu laufen und anschließend die Rückseite des Parks zu erkunden. Also müssen wir die ersten 4 Tage den Weg mit vielen anderen Besuchern teilen bevor wir uns für 4 Tage auf die verlassene Rückseite zurückziehen.
Und so läuft auch der erste Tag: wir treffen relativ viele andere Leute, haben es uns aber trotzdem schlimmer vorgestellt.
Der Weg ist trotzdem einfach toll! Schon die Anfahrt mit dem Boot über den türkisblauen See, dann wandern wir an riesigen (teilweise schneebedeckten) Bergen vorbei durch trockene Graslandschaft, dann wieder durch Wald und an Flüssen vorbei.

Als wir nachmittags im Camp ankommen, bauen wir schnell das Zelt auf und setzen uns in den Unterstand in dem man kochen darf. Im Gegensatz zu anderen Parks darf man hier wirklich nur an ausgezeichneten Stellen seinen Gaskocher benutzen. Warum? Schon öfter kam es vor, das Leute unvorsichtig mit den Kochern umgegangen sind und so (z.B. auf einer trockenen Wiese) schnell ein Feuer verursacht haben. Bei dem letzten „Unfall“der mit so einem Kocher passiert ist hat jemand gemeint sein Klopapier anzünden zu müssen; der Wind hat es weggeweht und innerhalb kürzester Zeit waren 40% (!!!) des ganzen Nationalparks abgebrannt!

Tag 2: Italiano – French Valley – Los Cuernos

Am zweiten Tag ziehen wir schon früh los, da wir das „Französische Tal“ erkunden wollen. Dazu können wir unsere Rucksäcke und das Zelt am Campingplatz stehen lassen und ganz unbeschwert ca. 2 Stunden zum Aussichtspunkt laufen. Die Aussicht ist trotz verhangendem Himmel einzigartig: von einem Berg aus, können wir immer wieder Lawinen auf der anderen Seite am Hang sehen.

Da wir so früh an sind, ist noch (fast) niemand außer uns unterwegs und auf dem Rückweg können wir dann tatsächlich noch ein paar Andenhirsche sehen.


Zurück am Campingplatz machen wir uns noch einen Tee, schultern wieder die Rucksäcke und machen uns auf den Weg zum heutigen Schlafplatz. Heute geht es mal durch Wald, dann vorbei an einem See und über Flüsse (wo man super Trinkwasser nachfüllen kann) bis wir schließlich im Camp ankommen.

Das beste an diesem Campingplatz: wenn man früh genug an ist, schläft man mit seinem Zelt auf einer Plattform und muss sich keine Sorgen um unebenen Boden machen.

Tag 3: Los Cuernos – Torres – Mirador – Torres

Nach dem Aufstehen scheint schon gleich die Sonne, der Tag kann also nur gut werden! Also wieder Sachen packen, Rucksäcke an und los gehts. Während wir uns den Berg zum Campingplatz Torres hocharbeiten, schwimmen wir gezwungener Maßen mit dem Strom. Dieser Weg ist DER Weg den jeder geht, der einen Fuß in den Park setzt. Egal ob Tagesausflug, 4 -, 5 -, oder 9 -Tageswanderung. Dementsprechend voll ist der Weg und dementsprechend genervt sind wir. Jeder will dort hoch um die „Torres“ zu sehen, die Berge die dem Park seinen Namen gegeben haben.
Idealerweise steht man dann morgens extrem früh auf, läuft eine Stunde zum Aussichtspunkt und sieht einen wunderschönen Sonnenaufgang der die Berge in oranges Licht taucht.


Da das Wetter aber so gut war, haben wir nicht auf den Morgen gewartet sondern sind gleich hoch gelaufen nachdem wir uns im Camp kurz gestärkt haben.
Nach einer Stunde sind wir oben, und mit uns leider auch eine Menge Wolken. Die Gipfel können wir trotzdem kurz sehen und vorallem die absurde Form des Bergs zu sehen versetzt uns dann (trotz der vielen Berge vorher) nochmal ins Staunen.


Zurück am Campingplatz entdecken wir noch einen neugierigen Fuchs, bevor wir uns zum Kartenspielen ins Zelt verkriechen.

Tag 4: Torres – Seron

Die Entscheidung am Vortag zum „Torres“ gelaufen zu sein hat sich als vollkommen richtig heraus gestellt: Als wir wach werden prasselt der Regen auf unser Zelt und wir drehen uns lieber noch mal rum.
Endlich weg von den Massen und auf zur Rückseite des Parks! Leider kommt mit der Abgeschiedenheit auch der Moskitoschwarm…
Die Wanderung ist trotzdem schön und vorallem relativ flach. Zwar müssen wir die ganze Strecke vom Vortag nochmal runter laufen, aber danach geht es über Felder, Wiesen und durch einen kleinen Wald über die bisher längste Strecke zum nächsten Camp.

Als wir am Camp ankommen begrüßt uns der patagonische Wind, der es uns wirklich erschwert unser Zelt aufzubauen.

Tag 5: Seron – Dickson

Heute machen wir uns auf den Weg zum angeblich schönsten Campingplatz im ganzen Park. Nachdem der Campingplatz von der vergangenen Nacht ein Reinfall war – kein fließendes Wasser und kein Fluss in der Nähe, 50% der Leute krank (Magenprobleme dank „trinkbarem“ Leitungswasser und Erkältung) und keine Toilette – machen wir uns schon ganz früh auf den Weg um dem Chaos zu entfliehen.

Der Weg dorthin ist angenehm: nur anfangs geht es steil bergauf, vorbei an sumpfiger Landschaft (wo wir ein Gerippe von irgendeinem Tier entdecken…), Flüssen und Lagunen und danach führt der Weg ziemlich flach zum nächsten Camp. Schon von Weitem haben wir einen tollen Blick auf des Camp: Es ist direkt an einem Gletscher und einem See gelegen und zu recht der schönste Campingplatz im ganzen Park!

Den Nachmittag können wir Kartenspielen, lesen, Moskitos bekämpfen und mit einem kalten Bier am „Strand“ verbringen. Wirklich einmalig diese Aussicht!

Tag 6: Dickson – Paso

Am Morgen des sechsten Tages ist es eiskalt, ich bin erkältet und unser Zelt ist von außen gefroren. Zwar kommt die Sonne schnell raus, aber das Zelt will einfach nicht auftauen/trocknen bis wir los laufen.

Nach der ziemlich langen Etappe gestern wollen wir heute eigentlich einen ruhigen Tag einlegen, da das Wetter aber so unglaublich schön ist, ändern sich unsere Pläne. Wir legen an dem Camp, wo wir eigentlich heute übernachten wollten, eine Pause ein und stärken uns mit Kuchen und Tee bevor wir die angeblich härteste Etappe antreten: den John-Gardner-Pass. Obwohl ich mich krank fühle & Marco auch langsam damit anfängt, wollen wir das Wetter ausnutzen. Ungefähr eine Stunde geht es durch den Wald, über Wurzeln und durch knöcheltiefen Schlamm bevor wir weiter über Steine und Geröll Richtung Pass laufen.

Der Aufstieg ist definitv weniger anstrengend als erwartet und oben angekommen erwartet uns eine unglaubliche Aussicht: Der Blick auf den gesamten Grey Gletscher! Dieser Gletscher gehört zu dem drittgrößten Eisfeld der Welt und ist wirklich gigantisch! Man sieht genau wo er her kommt und bis wohin er reicht. Dagegen war der Perito Moreno Gletscher (in Calafate) wirklich „nichts“.

Wir machen es uns, dank dem guten Wetter, erstmal auf dem Pass gemütlich, essen was und genießen die beeindruckende Landschaft.

Danach ist der Weg leider nicht mehr so doll: die ganze Strecke die wir hoch gelaufen sind, müssen wir jetzt auf kurzer steiler Strecke runter laufen bzw. rutschen. Das geht ganz schön in die Knie und wir sind froh als wir das Camp erreichen.

Wir sind wirklich erschöpft, kochen nur noch und legen uns schlafen.

Tag 7: Paso – Grey

Und bevor man sich versieht ist schon der 7. Tag gekommen und mit ihm 2 erkältete Tramps und Sonnenschein.

An unserem vorletzten Tag steht zum Glück aber nur eine kurze Etappe auf dem Programm und während wir schniefend am Grey Gletscher entlang laufen, malen wir uns schon in unseren Köpfen das Festmahl aus, dass uns am Abend erwartet. Sonst ist „Nudeln mit Tomatensoße“ eher so ein „Hunger-aber-keine-Lust-zum-Kochen“- oder „Das-Hostel-hat-nur-einen-Topf“- Notfall-Gericht. Aber diesmal scheinen uns Tortellini mit Parmesan, Knoblauch und Tomatensoße das Highlight auf unserem Speiseplan.

Doch bevor wir uns übers Essen her machen, gehen wir nochmal zum Aussichtspunkt und sehen uns den Gletscher aus einer anderen Perspektive an: Einfach unglaublich schön was die Natur uns da vor die Nase hält.

Tag 8: Grey – Paine Grande

Mit Tag 8 kommt der „Endspurt“ und obwohl wir uns auf Duschen und ein großes warmes Bett freuen, sind wir doch ein bisschen schwermütig und wollen den Park noch nicht so richtig los lassen.

Doch wir bekommen einen wunderschönen Abschied: Die Sonne ist wieder mit von der Partie und während wir laufen wird es langsam warm und wir können noch ein paar schöne Fotos der umliegenden Berge, Seen, Lagunen, Blumen und Eisbrocken machen.

Am Mittag bringt uns dann der Katamaran von Paine Grande aus über den See bis zum Bus und während der 3 1/2 Stunden Busfahrt lasse ich die letzten Tage schon mal ein bisschen Revue passieren.

Der Park und die Wanderung waren (trotz Erkältung) unglaublich und zurecht haben wir uns dieses Highlight 8 Monate aufgespart. Wären wir im Süden gestartet, wie hätten wir dann über all die anderen Parks, Lagunen und Berge noch staunen können? Diese 8 Tage waren wunderschön und wir hatten wirklich Glück mit dem Wetter. In Patagonien kann man 4 Jahreszeiten an einem Tag erwischen aber wir hatten das Glück (fast) jeden Tag Sonne zu haben und nur an einem Tag hat es ein bisschen geregnet.

Wir hoffen euch geht es genauso gut wie uns und schicken euch viele Grüße aus der Ferne!

Nächster Stop: Das Ende der Welt!

Eure Tramps

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