Über Cochabamba und Sucre in die Minen Potosi’s

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Bolivien

Nationalpark Toro Toro

In La Paz setzen wir uns ENDLICH nochmal für längere Zeit in den Bus! Wollten wir zumindest, aber da auch in Bolivien die Ferienzeit (und somit die Busreisezeit) begonnen hat sind alle Busse nach Cochabamba ausgebucht und wir müssen eine Nacht in einer Absteige in der Nähe des Bahnhofs verbringen, die übrigens „Donde el negro“ heißt (was übersetzt soviel wie „Wo ist der Schwarze“ heißt), um am nächsten Morgen den ersten Bus zu erwischen.

Nach 11 Stunden Fahrt erreichen wir Toro Toro, einen kleinen Ort und gleichzeitig Zentrum eines kleinen Nationalparks. Berühmt wurde der Park durch Dinosaurier-Überreste die gefunden wurden. Auf dem Weg dorthin fragen wir uns warum wir uns diesen Busmarathon eigentlich antun, nur aufgrund einer Empfehlung von Franc der sagt wir sollen uns das auf keinen Fall entgehen lassen?! Ein bisschen bereuen wir die Entscheidung, da die letzten 4 Stunden (nach einem Zwischenstop in Cochabamba) über einen Feldweg führen und unser Fahrer mal wieder ein selbsternannter Rennfahrer ist. :-/

In Toro Toro angekommen treffen wir Miet, die zum Glück schon ein Zimmer für uns reserviert hat und so verlässt uns das Glück zumindest an diesem Tag nicht mehr. Den Abend verbringen wir (mal wieder) mit essen, Bier trinken und Karten spielen….ja, Miet hat uns gefehlt.

Für den nächsten Tag planen wir einen Tagesausflug, allerdings pfeifen wir auf die Dinosaurierfussabdrücke und wollen ein paar Höhlen im Park erkunden. Nach dem Frühstück gehts zur Agentur um eine Tour zu starten, allerdings sind wir die letzten dort denn alle anderen haben wohl aufs ausschlafen verzichtet. Blöd für uns, da die Tour zu dritt nun teurer wird. Wir lassen uns den Spaß nicht verderben und genießen unsere „Privattour“.

Mit dem Jeep geht es zuerst zu einer Höhle in die wir; bewaffnet mit Stirnlampe udn Helm; für eine Stunde verschwinden. Obwohl wir schön mal eine ähnliche Tour in Kolumbien gemacht haben, ist die Höhle ein bisschen unheimlich und vorallem die Abschnitte in denen man sich bäuchlings durch kleine Felsspalten zwängen muss sind irgendwie beklemmend. Unsere Stirnlampen bieten die einzige Lichtquelle und so tasten wir uns langsam voran, vorbei an Stalaktiten und Stalakmiten die wirklich riesig sind. Als die Höhle entdeckt und später für den Tourismus erschlossen wurde, wurden viele der Stalaktiten abgesägt damit man die Höhle überhaupt begehen kann. Insgesamt sind 8 km erschlossen bzw. begehbar, doch mit unserer Tour schaffen wir in der einen Stunde gerade mal 800m. Kein Wunder bei den engen Abschnitten und glitschigen Felsen muss man echt vorsichtig sein.

Als wir am Ende wieder ans Tageslicht kriechen bin ich ein bisschen erleichtert; eine Stunde hat mir völlig augereicht auch wenn es wirklich interessant zu sehen war was die Natur so alles anstellt.

Nach dem Mittagessen geht es zu unserem zweiten Teil der Tour: Ciudad de Itas, eine Felsenstadt. Über eine Schotterpiste geht es wieder rauf auf 4600m, den höchsten Punkt des Nationalparks, und als es heißt das wir da sind, sind wir leicht verwundert. Um uns herum nur Wiesen und eine Menge Steine, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Doch wir laufen noch ca. eine Stunde immer weiter in eine Art Kessel bis wir das erste Höhlensystem erreichen. Es gibt verschiedene Theorien wie diese verrückten Formen zu Stande gekommen sind u.a. geht man davon aus, das Meerwasser bzw. Wind und Wellen die Felsen so geformt haben. Ein Indiz dafür: in Toro Toro wurden viele Fossilien (u.a. von Meeresschildkröten) gefunden, was davon zeugt dass das ganze Areal tatsächlich mal unter Wasser gestanden haben könnte.

Auf dem Rückweg nehmen wir einen anderen Weg, können fast über den ganzen Nationalpark gucken und sehen einen gigantischen Canyon aus der Ferne bevor es am frühen Abend zurück in den Ort geht.

Am nächsten Morgen fahren wir dann wieder 4 Stunden über Schotterweg nach Cochabamba, wo Miet die letzten 4 Wochen gewohnt hat. Auf Anhieb ist uns die Stadt unsympatisch: Alles ist laut und hektisch und darauf haben wir irgendwie so gar keine Lust. Wir verabreden uns für den Abend zum Essen um (einen letzten) Abschied von Miet zu feiern bevor sie zurück nach Belgien fliegt. Sie versucht uns die Stadt schmackhaft zu machen doch der Regen am nächsten Morgen ist wie ein Zeichen für uns; also Sachen packen und weg aus dieser Stadt. Wir besuchen zwar noch den riesigen Markt (La Cancha), aber auf Grund des Regens verbringen wir den Rest des Tages im Cafe bevor wir einen Nachtbus nach Sucre nehmen.

Sucre – Boliviens Hauptstadt

In Sucre gibt es zwar ein paar Sachen die man sehen und machen kann; für uns war es aber einfach nochmal ein Ort an dem wir ein paar Tage nichts tun konnten. So richtig haben wir den Dschungel noch nicht überwunden und sehnten uns nach einem Ort an dem wir einfach verweilen konnten.

Zwar ist Sucre Boliviens Hauptstadt aber lange nicht die größte Stadt. Genau das hat diese Stadt so sympatisch für uns gemacht: Es wirkt wie eine überschaubare, gemütliche Stadt mit kleinem Markt, vielen Parks und grünen Ecken. Das besondere an Sucre: Die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt gilt als „die weiße Stadt“ Boliviens und hat viele gut erhaltene (oder gut restaurierte) Gebäude aus der Kolonialzeit. Außerdem ist das Klima perfekt und angenehme 20-25 Grad vesüßen uns das Nichtstun! Grade bei diesen Temperaturen kommt so gar keine Weihnachtsstimmung bei uns auf, auch wenn die Bolivianer alles „so schön“ geschmückt haben…

So schön die Stadt auch ist, so viele arme Menschen beherbergt sie auch. Uns ist in keinem andere Ort zuvor so bewusst gewesen, wie viele Menschen hier wenig oder gar kein Geld haben. Viele Frauen verkaufen mit ihren Kindern Süßigkeiten an der Straße oder die Kinder müssen zum Schuhe putzen in den Park. Wir könnten uns nie vorstellen unsere Schuhe von irgendwem, geschweige denn von 9-jährigen Kindern, putzen zu lassen und finden den Anblick total erniedrigend. Vielleicht sind wir angestachelt durch den Weihnachtswahnsinn, aber wir wollen was tun, helfen oder einfach nur eine kleine Freude bereiten. Also misten wir unsere Rucksäcke aus, denn Klamotten haben wir zuhause wirklich genug & während der Reise kamen durch die ein oder andere Tour noch Tshirts dazu. Erst laufen wir zu einer Sammelstelle um alles abzugeben, aber leider ist geschlossen. Kurzerhand können wir einer Frau und ihren Kindern (ein kleines Kinde, vielleicht 3 Jahre alt, wurde auf dem blanken Bürgersteig abgelegt um zu schlafen) ein Lächeln ins Gesicht zaubern, denn die freuen sich riesig über die Kleider und eine Decke, in die das schlafende Kind direkt eingewickelt wird. Auch wenn es nur eine Kleinigkeit war, haben sie sich hunderte Male bedankt und die Kinder wollten uns nicht gehen lassen.

Manchmal muss man einfach auf sein Gefühl hören und wir denken uns geht es mehr als gut, also warum anderen nicht auch was Gutes tun?

Potosi – Minenbesichtigung extrem

Mit einer Lage auf ca. 4000m Höhe ist Potosi die höchstgelegene Großstadt der Welt, weshalb man wirklich langsam laufen muss um nicht außer Puste zu kommen. Aber das schöne Sucre haben wir nicht verlassen um atemlos durch die Straßen Potosis zu hetzen, sondern um eine Tour in die Minen der Stadt zu machen.

Die Stadt liegt am Fusse des Cerro Rico (heißt: Reicher Berg) und in diesem Berg findet man ein riesiges Silber-, Zink- und Zinnvorkommen, welches man im 17. Jahrhundert im großen Stil abzubauen begann.

Zwar hat auch die indigene Bevölkerung schon im 15. Jahrhundert Silber fördern lassen, doch erst als die Spanier einfielen und die Bevölkerung zum arbeiten zwangen, kam der Stein sozusagen ins rollen und bis heute ist Potosi und seine Bewohner von diesen Minen abhängig. Die reiche Ausbeute aus dem Berg war wie ein Magnet und zog unheimlich viele Menschen an, weshalb Potosi im 16. Jahrhundert zu einer Weltstadt wurde. Außer der indigenen Bevölkerung wurde auch die afrikanische Bevölkerung in den Minen ausgebeutet. Sklaven aus Afrika wurden in die Minen gebracht doch da diese an die extreme Höhe und damit verbundene sauerstoffarme Luft nicht gewöhnt waren, starben sie alle sehr schnell. Als man heraus fand woran die Sklaven starben brachte man sie daraufhin zum arbeiten auf die niedriger gelegenen Cocaplantagen um sie dort weiter auzubeuten.

Aufgrund dieses Booms erschöpfte sich das Silbervorkommen relativ schnell und von dem damaligen 96 %-igen Silber ist heute nur noch wenig übrig und das Hauptaugenmerk liegt inzwischen auf dem Fördern von Zinn, Blei, Kupfer und Zink.

Bevor unsere Tour in die Tiefe startet gehen wir mit unserem Guide Antonio unsere Ausrüstung anprobieren und anschließend auf den „Minenmarkt“ wo wir Geschenke für die Minengötter, die Minenarbeiter und vorallem auch Dynamit kaufen. Ja, tatsächlich kann man hier einfach so Dynamit kaufen.

Auf dem Minenmarkt erklärt uns Antonio wie ein Minenarbeiter-Menü aussieht: Cocablätter, ein Katalysator für die Blätter (um die Wirkung zu verstärken und Bitterstoffe zu entfernen), 96%-er Alkohol und Zigaretten! Während ihrer 10-Stunden-Schichten nehmen die Arbeiter nichts anderes zu sich als diese Dinge. Aber warum? Durch das Kauen der Cocablätter bleiben die Arbeiter länger konzentriert und zudem unterdrückt Coca das Hungergefühl. Ein weiterer Vorteil der Cocablätter: es ist ihre Uhr! Zu Schichtbeginn stopft sich jeder eine ordentliche Ladung Cocablätter in den Mund und wenn diese nach 4 bis 4,5 Stunden ihre Wirkung und ihren Geschmack verlieren, wissen die Arbeiter das es Zeit für ihre erste und einzige Pause ist. Außerdem werden zur Pausenzeit 3 Dynamitladungen nacheinander hochgejagt, damit auch wirklich jeder in der Mine weiß “ Jetzt ist Pausenzeit“.

Den 96%-igen Alkohol haben wir übrigens auch probiert und wir können euch sagen: das brennt!

Nach dem Markt wird es dann Ernst und wir verabschieden uns für ca. 1 1/2 Stunden vom Tageslicht. Insgesamt ist die Mine 14 Stockwerke tief, aber wir gehen nur in die ersten 4 Ebenen was uns auch reicht. Über eine Leiter gehts zur ersten Ebene und dort sehen wir gleich zwei Arbeiter: Vater und Sohn, denn wer in einer Minenarbieterfamilie aufwächst landet zwangsläufig auch in der Mine. Der jüngste Arbeiter ist zur Zeit 14 Jahre alt, allerdings gab es auch schon Kinder die mit 7 ihren ersten Arbeitstag hatten…

Die beiden beladen einen Wagen und schieben diesen, 1 Tonne schweren(!!) Wagen, anschließen über Schienen Richtung Ausgang. Diesen Luxus gibt es nicht in jedem Bereich; manche sind zu instabil oder zu klein um dort Schienen zu verlegen, also muss man sich mit Schubkarren aushelfen. Apropos instabil: Architekten gibt es in der Mine natürlich keine, alle Gänge wurde so angelegt wie der Älteste und somit erfahrenste Arbeiter es für richtig hält. Zur Zeit ist der Älteste ein 73 jähriger Mann, der seit 45 Jahren in der Mine arbeitet. Eigentlich ein Rekord, wenn man bedenkt das die meisten Minenarbieter nicht älter als 40 werden. Die Aufgabe dieses Mannes besteht darin den ganzen Tag mit einem Hammer und einem Meißel Löcher zu schlagen, in die man dann Dynamit stecken und somit einen neuen Gang sprengen kann.

Sollte das mal nicht funktionieren und das Dynamit explodiert nicht oder die Schnur geht aus bevor es explodieren kann, rühren die Arbeiter diese Stelle nicht mehr an und lassen als Erinnerung das Dynamit stecken.

Außer den Arbeitern und ihren furchtbaren Arbeitsbedingungen hat uns Antonio auch noch die Götter (hier nennt man sie „Tios“) gezeigt: jede Etage hat eine Götterfigur der die Arbeiter (und auch wir) Opfergaben bringen. Cocablätter, Alkohol und Zigaretten werden geopfert und den Göttern gedankt für die Reichtümer die der Berg zur Verfügung stellt. Außerdem hat die größte Götterfigur einen riesigen Penis, der auch Cocablätter und Alkohol abbekommt, damit auch die Fruchtbarkeit des Berges nie versiegt.

Nach ca. 1 1/2 Stunden kriechen wir wieder an die Oberfläche und sind froh wieder Tageslicht zu sehen und saubere Luft amen zu können. Die Tour bzw. der Guide waren wirklich super, aber zu sehen unter welchen Bedingungen die Menschen hier arbeiten müssen war furchtbar. Am Anfang stellten wir uns noch vor, dass die Kinder ja vielleicht ein besseres Leben haben können wenn sie die Stadt verlassen, aber wenn man in einer Minenfamilie aufwächst und mit 7,8,9 oder 10 Jahren anfängt in der Mine zu arbeiten dann kommt man aus diesem Kreislauf nicht mehr raus… . Durch unsere Tour konnten wir die Minenarbeiter allerdings auch ein bisschen unterstützen: 25% gehen an die Minenarbeiter, ein Teil geht an deren Gesundheitsversorgung und ein Teil an die Witwen der Minenarbeiter.

Wir wünschen euch allen schon mal Frohe Weihnachten und schöne Feiertage, denn wir wollen weiße Weihnachten und starten heute eine Tour in die Salzwüste Salar de Uyuni.

Lasst es euch gut gehen,

Eure Tramps

PS: Obwohl das ja eigentlich nicht unsere Art ist, haben wir jetzt tätsächlich Pläne fürs nächste Jahr! Wir haben unser Working Holiday Visum für Neuseeland und im März geht es dann nach Neuseeland!

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