San Gil – „Outdoormekka“ von Kolumbien

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Kolumbien, San Gil

Nach 12 Stunden Busfahrt von Santa Marta nach San Gil, sind wir 1. froh angekommen zu sein (die Zeit ging gar nicht sooo schnell rum, auch wenn wir den Nachtbus in der Hoffnung genommen haben, schlafen zu können) und 2. froh nicht erfroren zu sein! Der Bus war auf dezente 18 Grad runtergekühlt und die Nachfrage ob man daran was ändern könnte wurde leider verneint. Naja, wir haben daraus gelernt und werden uns beim nächsten längeren Bustrip warm anziehen.

Da wir keine konkreten Pläne für San Gil haben, checken wir erstmal im Hostel ein & lassen uns was über die Gegend erzählen. Wir wissen bisher nur das man hier sehr gut & günstig allen möglichen Aktionsport machen kann: Paragliding, Wildwasser-Rafting, Höhlen erforschen, Klettern bzw. abseilen, Downhill-Biken…. Da wird also sicher was für uns dabei sein 😉

An unserem ersten Tag besuchen wir „Pozo Azul“, eine Art Naturschwimmbad bzw. Fluss an dem man in mehreren Becken baden kann, kaufen noch was ein um Hostel zu kochen & suchen uns für den nächsten Tag schon mal eine potenziell aktionreiche Tour aus : Von einem 180m hohen Wasserfall kann man sich ca. 70m abseilen! Warum nicht?!

Am nächsten Morgen gehts direkt mit dem Bus zum ca. 1 Stunde entfernten „Juan Curi“-Wasserfall, wo schon unser Guide auf uns wartet. Nach einer kurzen Einweisung was uns erwarten wird, gehts mit unserer kleinen Gruppe (wir beide, eine Familie aus Bogota & 2 Jungs aus Australien) ungefähr 500m bergauf zu der Stelle von der wir uns abseilen wollen. Die Aussicht ist einfach WAHNSINN! Sowohl nach unten als auch nach oben….oberhalb sieht man die erste Stufe des 3-stufigen Wasserfalls und unterhalb den Teil, den wir nun runter wollen. Da schlägt das Herz schon mal schneller, aber nachdem wir gesichert sind & uns mit der Methode vertraut machen können wie wir uns abzuseilen haben, gehts auch schon los. Die ersten Meter sind ein bisschen unsicher und beschwerlich, da man wirklich mitten durch den Wasserfall geht & einem das Wasser ins Gesicht peitscht. Aber es macht einen riesen Spaß und als wir unten ankommen, würden wir am liebsten direkt wieder hoch und um nochmal runter zu gehen 😀 Für 10€ pro Nase hat sich das wirklich gelohnt….Adrenalin pur & unten angekommen erwartet einen noch ein kleiner, eiskalter Pool.

Jetzt haben wir also Blut geleckt und wollen MEHR! Höher, Schneller, Weiter! Was steht also als nächstes an? Auf der Rückfahrt überlegen wir uns schon mal was wir als nächstes machen können & spinnen auch noch beim Abendessen grobe Pläne für die nächsten Tage.

Der Ort San Gil ist wirklich schön & gar nicht so touristisch wie wir erwartet haben bzw. wie wir die anderen Orte bisher erlebt haben…. man wird nicht alle 2m angequatscht ob man diese oder jene Tour machen möchte, oder diese Sonnenbrille oder den Hut kaufen will. Die Leute lassen einen in Ruhe, sind zurückhaltend aber sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Und was man den Kolumbianern wirklich zugute halten muss: Sie sind unglaublich geduldig mit uns „Gringos“,obwohl unser Spanisch bescheiden ist. Den 3. Tag in San Gil verbringen wir mit ausgiebigem Frühstück, einem Besuch in der riesigen Markthalle (wo wir uns unglaublich leckere Fruchtshakes zaubern lassen) und anschließendem Umzug aus unserem Hostel in ein Hostel das ca. 6km außerhalb liegt und wie eine kleine Farm wirkt. Keine Ahnung was es war, aber durch Zufall sind wir darauf gestoßen und fanden es so einladend und schön, dass wir uns auf den Weg gemacht haben und jetzt leben wir in einer Jurte 😀 Unser Hosteltip: La Pacha

Nach dem Umzug ins „La Pacha“ sind wir mit dem Bus ins nahegelegene Barichara gefahren. Der kleine Ort ist für seinen Ortskern mit gut erhaltener kolonialer Architektur bekannt und beliebt als Kulisse für lokale Fernsehproduktionen. Von dort aus kann man einen ca. 5,5km langen Wanderweg (El Camino Real) nach „Guane“ gehen. Der Weg ist ein gut erhaltener Handelsweg von Früher, da Barichara mal ein großer Umschlagplatz für sämtliche Händler war.

Der Weg ist wirklich schön, aber auf dem letzten Kilometer wurden wir gut durchnässt. In Guane selbst gibt es nicht viel zu sehen oder zu tun außer vielleicht einem Besuch in dem örtlichen Museum (über Fossilien, indigene Kunst + Geschichte), aber für uns war der Weg das Ziel und nach einer kleinen Pause auf dem Dorfplatz sind wir mit dem Bus zurück in unser Hippie-Hostel gefahren. Zusammen mit Jacob & Bronte (einem australischen Geschwisterpaar) machen wir nach dem Essen ein Lagerfeuer und plaudern über dies & das bevor wir zum schlafen in die Jurten kriechen.

Der 4. Tag beginnt ein bisschen stressig: Wir haben vor zu einer Höhle (Cueva del Indio) zu fahren, sind aber mit dem Frühstück zu spät an, verpassen den Bus, beim umsteigen müssen wir 1 Stunde auf den nächsten Bus warten, stehen dann noch im Stau und kommen mehr als eine Stunde zu spät in Paramo an. Unsere Tour hat zwar ohne uns stattgefunden, aber nach einer halben Stunde Wartzeit gehts dann auch für uns los & das Beste: wir beide sind alleine mit unserem Guide & bekommen eine Privattour.

Mit unseren Helmen, Stirnlampen und Schwimmwesten laufen wir ca. 10 min bis zum Eingang der Höhle, schalten die Lampen ein und tauchen für ca. 1 Stunde in die Dunkelheit ab. Schon am Eingang muss man gebückt gehen und immer wieder kommen Abschnitten in denen wir nicht stehen können, einmal sogar auf dem Bauch durchrobben müssen. Ein wenig beklemend ist es schon, so tief unter der Erde & dann nur den Schein der Kopflampe als Orientierungshilfe, aber es macht auch Spaß und ist interessant zu sehen, was so unter dem Ort passiert. An der Decke hängen viele Fledermäuse & wie wir erfahren, sogar Vampirfledermäuse („Aber keine Angst die saugen nachts nur das Blut von Kühen und Pferden“…wie beruhigend), wir sehen wie die Stalaktiten & Stalakmiten in der Höhle entstehen, gehen durch hüfttiefes, schlammiges Wasser, klettern über glitschige Felsen & am Ende unserer Tour erwartet uns DAS Highlight (was ich wohl irgendwie verdrängt hatte): ein 5m tiefer Sprung in schlammbraunes Wasser. Wir klettern eine 5m lange Leiter runter und am Ende stehen wir auf einer kleinen Plattform. Unser Guide schaltet unsere Kopflampen aus, nur seine bleibt an damit er uns zeigen kann wohin wir in etwa springen sollen. Augen zu und durch…der Sprung ins Dunkle dauert eine gefühlte Ewigkeit und als wir ins kalte Wasser eintauchen setzt das Herz einen Moment aus. WOW! Erleichtert und irgendwie auch glücklich schwimmen wir zum Rand, in dem Gedanken das die Tour nun vorbei ist. Aber weit gefehlt: Wir sollen nochmal springen. 😀 Ob das Herz das mitmacht? Der Adrenalinpegel geht schon kaum höher, aber was solls: nochmal ab ins kalte Nass! Danach klettern wir dann aus dem Wasser, und laufen noch ein paar Minuten bis zum Ausgang der Höhle…wieder durch schlickiges braunes Wasser. Von dieser Tour gibt es leider keine Fotos, da es stockdunkel war 😀

Wir sind das Adrenalin aber noch nicht satt und wollen direkt am nächsten Tag eine Downhill-Biketour machen! Da die Tour den ganzen Tag dauert ist die Verpflegung inklusive. Wir treffen uns zum Frühstück (es gibt einen riiiiesigen Frühstücksburrito, WIE sollen wir da an 55km auf dem Fahrrad denken?!) in einem Restaurant & lernen die Gruppe kennen: 1 Kanadier, 2 Holländer, 1 Belgierin, wir und unsere beiden amerikanischen Guides…bunte Mischung 😀 Danach gehts mit dem Van ca. 1/2 Stunde Richtung Ausgangspunkt der Tour…leider schaffen wir es nicht ganz bis dorthin bevor das Auto versagt…der Innenraum wird ganz heiß&ist plötzlich voller Qualm. Alle klettern also aus dem Auto und der Boss wird angerufen. Die ersten werden unruhig und wir befürchten das die Tour nicht stattfinden kann & wir einen Tag verschenken. Eigentlich ist vorgesehen, dass der Van immer in der Nähe ist: zum einen für den Fall das sich jemand verletzt oder aufgibt, zum anderen fungiert der Van auch als unser Essens- und vorallem Wassertransport. Nach kurzer Planänderung geht es für uns weiter…zwar ohne Van, aber mit den Bikes. Das Auto muss zur Werkstatt und wir radeln schon mal los. Die Aussicht ist wirklich grandios und die Tour hat es wirklich in sich. Wir fahren über Barichara (was wir am Vortag ja schon besucht haben) nach Guane und besuchen da sogar nach dem Mittagessen noch das Museum. Das ist in der Tour nicht vorgesehen gewesen aber da der Van kaputt ist, muss der Weg etwas anders verlaufen als normal… wir bekommen trotzdem ausreichend Offroad-Spaß und sind am Abend total erschöpft.

Den nächsten Tag nehmen wir uns mal frei, um uns von der Biketour zu erholen. Zum Frühstück fahren wir nach San Gil (für 2€ pro Person kann man schon mal auswärts frühstücken: Kaffee, frischer Fruchtshake nach Wahl, Rührei & Brot). Danach gehts dann in die Markthalle um ein paar Sachen fürs Abendessen einzukaufen, aber was kann man sich hier auf keinen Fall bei einem Marktbesuch entgehen lassen? Richtig: OBST und zwar in gewöhnunsgbedürftigen aber leckeren Variationen:

Links: Fruchtsalat mit gezuckerter Kondensmilchsoße und Käse (JA wirklich KÄSE!) Rechts: Ananasshake, ebenfalls mit gezuckerter Kondensmilch
Links: Fruchtsalat mit gezuckerter Kondensmilchsoße und Käse (JA wirklich KÄSE!)
Rechts: Ananasshake, ebenfalls mit gezuckerter Kondensmilch

Nach einem entspannten Tag mit Nichtstun, können wir es an unserem letzten Tag in San Gil nochmal krachen lassen: Wildwasser-Rafing auf dem Suarez-River von Schwierigkeitsstufe 2-5 ist alles dabei (getoppt wird das ganze nur durch Stufe 5+ beim Wettkampf-Rafting). Hier lassen wir einfach mal Bilder sprechen. Außer uns waren mit im Boot: 3 Schweizer, 1 Engländer und zum Glück unser Guide, sonst hätte es uns das ein oder andere mal wohl aus dem Boot gerissen.

Von unserer Tour gibt es auch 2 Videos die ihr euch anschauen könnt, wenn ihr auf die Links geht:


Wir freuen uns immer über eure Kommentare und privaten Nachrichten, schön zu wissen dass das hier von einigen verfolgt wird. Diesmal hat es etwas länger gedauert bis der Beitrag fertig war, da wir auf die Fotos von der Fahrradtour & dem Rafting über eine Woche warten mussten….

Bis zum nächsten Abenteuer,

Eure Tramps

In Erinnerung an Josef Kilzer.
In Erinnerung an Josef Kilzer.

4 Gedanken zu „San Gil – „Outdoormekka“ von Kolumbien

  1. Hallo hier ist Alfred, ich bin ein Arbeitskollege von Roman in der Küche.
    Marion hat mir eure Adresse gegeben. Seitdem verfolge ich mit Spannung eure Abenteuer. Und ich bin mir Sicher es gibt eine Menge Leute hier in der Gegend die das auch tun.Meine Tochter (25) hat aus ihrem Freundeskreis von euch gehört und verfolgt ebenfalls eure Berichte.
    Wünsche euch weiterhin viel Glück und Alles Gute. AF

  2. Haallloooo ? … was war das denn bitte…?
    Ich verfolge Euch hier ja schon von Beginn an und bisher sah alles nach einer schönen Zeit in fernen Ländern aus … gemütlicher Urlaub mit Relaxen und Gegend anschauen.
    Aber San Gil war der absolute Hammer!!!
    Ich muss zugeben…auf das Abseilen bin ich bischen neidisch.
    Letztens war ich in Kastel-Staadt in einer 40m Wand und das war schon ziemlich prickelnd, aber 70m und das am und in Wasserfall … Wahnsinn.
    Die Höhle fand ich ebenfalls super…in Kürze steige ich in Luxemburg in eine … mit Kletterausrüstung, aber hoffentlich ohne baden zu gehen 😉
    Für mich als Mitleser war San Gil eines der Top Highlights.

    Macht weiter so 🙂

    Vielen Grüße
    T, R + C

    1. Danke, für uns war es auch der absolute Wahnsinn! 😊
      Und dabei wollten wir San Gil erst auslassen, weil wir dachten es wird zu teuer bei dem was man da alles machen kann. Aber da wir ja nicht reisen um den anderen beim Spaß haben zu zu gucken, sind wir doch gefahren und bereuen es nicht!
      Liebe grüße an die Heimat

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